Frank biess republik der angst. socialnet Rezensionen: Frank Biess: Republik der Angst

Frank Biess‘ „Republik der Angst“: Angst, Angst, Angst sind alle meine Farben

frank biess republik der angst

Denn die Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland gilt als Erfolgsgeschichte. Schließlich diskutiert der Autor die Auswirkungen dieser Angstgeschichte auf die politische Kultur der Berliner Republik. Was Biess so alles unter Angst fasst, die Frustration über die langwierigen Abläufe der Demokratie etwa, ist für den Rezensenten bisweilen fragwürdig, und überhaupt: War Angst wirklich die kennzeichnende Triebfeder im nüchternen westlichen Nachkriegsdeutschland? Das klänge nach Magie, wäre es nicht auch ein Appell für aktives politisches Handeln. Nicht immer wird zwar klar, wie viele Menschen dem einen oder anderen Zyklus in der bundesrepublikanischen Geschichte folgten. Er hat in Marburg, Tübingen und St. Biess ist sich zwar der Pluralität von Ängsten in einer Gesellschaft bewusst, unternimmt aber allenfalls indirekt den Versuch, auch die Ängste beziehungsweise Angstwahrnehmungen von Minderheiten oder Randgruppen zu berücksichtigen. Schließlich beschreibt Frank Biess die Auswirkungen dieser Angstgeschichte auf die politische Kultur der Berliner Republik.

Nächster

Frank Biess: der

frank biess republik der angst

In den 60er-Jahren wurde Angst schließlich zunehmend positiv besetzt und galt als Emotion, die für Angriffe auf die Demokratie sensibilisiert. Das Schicksal der gesamten Westzone lag in den Händen der Besatzungsmächte. In der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland traten von Anfang an auch Ängste auf, die nicht eindeutig ideologisch klassifizierbar sind. Dass Biess über die Ängste nicht urteilt, sondern nur ihre Rolle bei der Demokratisierung und Liberalisierung des Landes unter die Lupe nimmt, gefällt ihm. Dass diese Leistung mit für die Länder Europas exemplarischem Wert der Wirkungskraft der Angst geschuldet sei, ist bei aller eigenwilligen Zurechnungsakrobatik der Autors die überraschende Pointe des Buchs und ein lesenswerter Befund, der im Streit um die Staatserzählungen eine gewichtige Rolle spielen wird. Ein großer Wurf, ein gelungenes Wagnis, methodologisch kühn und dabei gut erzählt. Die Debatte um die Notstandgesetze in den Jahren 1965—1968 war einer der Inkubatoren der Studentenbewegung.

Nächster

Republik der Angst von Frank Biess

frank biess republik der angst

Ein originelles Buch mit überraschenden Beobachtungen, findet unser Kritiker. Bei Biess bekommt jene gute alte Bundesrepublik wieder die emotionale Dramatik, von der sie spätere Deuter ausnüchtern wollen. Biess ist also keineswegs blind gegenüber linken Angstexzessen, ordnet sie aber differenziert ein. Allerdings verbleiben nach der Lektüre einige Unklarheiten: So wären zum Beispiel deutlichere Verweise auf konkrete Resultate der Angstdebatten wünschenswert gewesen, um deren stabilisierende Funktion zu belegen. Angst war zu verschiedenen Zeiten der bundesrepublikanischen Geschichte nicht auf gleiche Weise artikulierbar.

Nächster

Frank Biess: der

frank biess republik der angst

Das verführt zu dem voreiligen Schluss, Ängste in diesem Zeitraum seien letztlich nur Hirngespinste gewesen. Warum nicht just hierin das für das gebeutelte Europa möglicherweise avantgardistische Gesicht der zweiten Republik herausstellen, nicht deren Autos, sondern das institutionelle Format eines Staates, zu dessen Anpassungsfähigkeit es ein halbes Jahrhundert nach Kriegsende gehören wird, die ungeheure Anstrengung einer Gesellschaftstransformation zustandezubringen und auf hoher See ein Leck zu reparieren, das die Stürme der Weltgeschichte ins deutsche Boot gerissen hatte? Auf die beschleunigte Modernisierung und Automatisierung richteten sich mehr Ängste als auf die zivile Nutzung der Kernenergie. I started my academic training at the Universities of Marburg and Tübingen in Germany. Johannes Pantenburg: Rezension von: Frank Biess: Republik der Angst. So wurden die Werber der Fremdenlegion zu einem medialen Phänomen.

Nächster

Republik der Angst von Frank Biess

frank biess republik der angst

Die Angstgeschichte der alten Bundesrepublik kam in den 1980er Jahren auf ihren Gipfel. Also ein Auf und Ab der Daseinsakzeptanz, landsmannschaftlich gefärbt, beginnend mit den Albernheiten eines Adolf Tegtmeier, bis hin zu sublimierten Formen von Selbstironie, die das Land seinen Humoristen Loriot, Gerhard Polt oder Harald Schmidt und den philosophischen Einlassungen Odo Marquards verdankt. Denn Biess hat einen etwas anderen Blick auf Ängste. Und schließlich die Problematik, dass den einen der starke Staat Angst macht, anderen wiederum der Staat als zu schwach erlebt wird. Der Angst vor dem Zusammenbruch der Volkswirtschaft und dem Verlust des Volksvermögens widmet Biess kein Kapitel. Die bedrohte Männlichkeit wird durch Gewalt, Wut und Zorn stabilisiert.

Nächster

Frank Biess' der Politik der Gefühle

frank biess republik der angst

Vielmehr bietet es eine wichtige Ergänzung und immer wieder auch ein kritisches Korrektiv der existierenden Historiographie. Methodisch fehlt es dem analytischen Zugriff des Buches jedoch an Präzision und Transparenz. I am historian of Modern Europe with an emphasis on 20th Century Germany. So wird politischer Widerstand pathologisiert und damit delegitimiert. Mit seinem Buch Republik der Angst möchte der an der University of California in San Diego lehrende Historiker Frank Biess eine Neuinterpretation der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland bieten. Hanna Schissler Princeton: Princeton University Press, 2001 , 57-82. Mit dem Eichmann-Prozess in Jerusalem und dem Auschwitz-Prozess in Frankfurt kehrte die nationalsozialistische Vergangenheit ins öffentliche Bewusstsein zurück.

Nächster

Republik der Angst von Frank Biess

frank biess republik der angst

Und wenn überhaupt, war die Vorstellung von komplexen Ängsten überschattet. Ihre Funktion als Frühwarnsystem ist nicht zu unterschätzen. In einem nächsten Schritt wäre nach der nationalen Spezifik der deutschen Angst zu fragen, jener German Angst, der sich Frank Biess im Epilog widmet. Wie von der Arbeit eines Historikers nicht anders zu erwarten steht, werden Ereignisse, die sich ins Kollektivgedächtnis eingeschrieben haben, einer raffinierten Lektüre unterzogen. Anmerkungen: Eckart Conze, Die Suche nach Sicherheit. Das Buch ist für den Sachbuchpreis der Buchmesse Leipzig nominiert. Angst ist dabei — das räumt der Autor offen ein — fast immer die Angst der Mehrheitsgesellschaft.

Nächster

der von Frank Biess

frank biess republik der angst

Die Thesen verbinden die einzelnen Angstzyklen miteinander. Und dass Biess seine Studie mit einem Plädoyer gegen Rechtspopulismus abschließen muss, hält Schümer dann doch für allzu ängstlich korrekt und einem Geschichtsbuch so gar nicht angemessen. Wir stellen eine große Auswahl vor. Juni 1967, bei dem der Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten — und, wie sich 2009 herausstellte, Stasi-Mitarbeiter — erschossen wurde, eine immer größere Rolle. Wir berichten deutschlandweit über Themen aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Generell bleiben qualitative wie auch quantitative Gewichtungen zwischen den einzelnen Angstzyklen weitgehend aus: War die Angst vor Vergeltung der frühen Nachkriegszeit nicht von einer anderen, existenzielleren Qualität als die moralische Angst vor einer Verführung männlicher Jugendliche durch Werber der französischen Fremdenlegion in den 1950er Jahren? Der Begriff der Angst dient Biess einfach als Passepartout für diskursive Unruhe.

Nächster